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Sozis first

Ich weiß nicht ob es ihnen als hochsensibilisierter demokratisch orientierter Person am Wahlabend des 26. 09. 2021 bei der ersten Hochrechnung um 18:00 Uhr so ging wie mir. Ich schaltete zunächst ARD-TV ein und Jörn Schönenborn präsentierte die ersten Hochrechnung-Charts. Nach gefühlten rund 70 Jahren seit Erfindung der Bundesrepublik Deutschland (inklusive Deutsch-deutschem Einigungsprozess) wies man in der ARD das Wahlergebnis von CDU und CSU gesondert aus. Richtig so. Schwesterpartei-Bündnis in der Christunion hin oder her - in 15 deutschen Bundesländern konnte man per Zweitstimme nur die CDU mit Armin Laschet als Kanzler-Kandidat wählen und nur in Bayern konnte man im Falle der Christunion-Zustimmung sein Kreuz bei der „kleinen Schwester“ machen. Für die CSU, für Markus Söder, für Bayern im Bund.

Es gab Zeiten, da hat die Schwesterpartei in Bayern bei Bundestagswahlen rund 8% zum gesamten Wahlergebnis von CDU/CSU beigesteuert. Aktuell sind es bei der noch laufenden Auswertung der Wahlergebnisse zur Wahl für den 20. deutschen Bundestages nur noch 5,2% gemäß Hochrechnungen am Wahlabend. Würdigen wir die CSU aktuell in den Wahlergebnis-Berechnungen am Abend des 26. 09. 2021 (und letztendlich auch immer bei vergangenen Wahlen) mit ihren Prozenten in Bayern als christunionistisches Reserve-Rad im Kofferraum des Wagens CDU, so müssen wir aktuell für die Union rund 5% CSU-Zustimmung aus nur dem einen Bundesland Bayern abziehen. Die so bereinigte CDU mit Armin Laschet kommt also in 15 Bundesländern (ohne CSU und „Söder-Kanzler-der-Herzen“ Effekte) also nur auf ca. 19% am Abend der vorläufigen Hochrechnungen am 26. 09. 2021. Aktuell ist die CSU bei der Bundestagswahl infolge des ausschnitthaften Wählervotums nur im Bundesland Bayern, die sechst- oder siebtstärkste Partei im deutschen Bundestag diesseits der 5%-Hürde.

Armin Laschet als Kanzler-Kandidat liegt mit der CDU um rund 6%-Punkte hinter der SPD mit ihrem Kanzler-Kandidaten Olaf Scholz. Die wahlberechtigt zur Stimmabgabe motivierten und zum Kreuzchenmachen aktivierten Wähler*innen, haben sich zu rund 19% für Armin Lachet und die CDU ausgesprochen und zu rund 25% für die SPD mit Olaf Scholz. Eine klare Ansage, wenn auch kein allzu deutliches Bekenntnis zur Sozialdemokratie. Dennoch scheint es mir so zu sein, das die Deutschen jetzt raus wollen aus einem GroKo-Einerlei ohne Profil-Schärfe in diese oder jene Richtung. Der deutschen Sozialdemokratie ist es diesbezüglich nun gelungen aus der GroKo-Zange herauszukommen und wieder ein nennenswertes Volksvertretungsergebnis zu erzielen.

Mit der Leitfigur Olaf Scholz - wahrlich keine mediale Lichtgestalt, aber eben ein Politiker mit klarem Standing und klaren Ansagen, der mit seinem Pokerface fast nie lächelt, sondern dann nur lächelt und humoristisch unterwegs ist, wenn dahinter echter Ernst steckt, kann Deutschland in Europa und eingebunden in die globalen Geschicke der Welt gut und vor allem schneller als bisher auf den Weg kommen. Dieser Weg wird uns alle bis in die letzte Faser der patchwork-queery Kleinstfamilienzelle hinein zukünftig zu den Ärzt*innen führen. Denn wir werden heute und morgen Visionen schmerzlich mitdenken müssen, um auch in Zukunft die dann kommenden Gegenwarten wirtschaftlich-sozialverträglich meistern zu können.

Aus meiner Sicht nach dem heutigen Wahlergebnis glasklar - der nationale Führungs- bzw. Richtlinien-Bestimmungsanspruch hinsichtlich des kommenden Wohl und Wehe Deutschlands in Europa und der Europäischen Union als Player im Welt-Konzert liegt in den Händen von Olaf Scholz. Ich erwarte das Zustandekommen einer konstruktiv-streitkulturfreudigen Koalition aus SPD, den Bündnis90-GRÜNEN und der FDP mit dem Kanzler Olaf Scholz. Amen und Basta.

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